Sex war für mich jahrelang das Thema. Die eine Sache, die mich mehr gestört hat als alles andere.
Angefangen hat’s in der Pubertät, bei meinen ersten echten Begegnungen mit Frauen. Ich habe mich verstellt, um ihr zu gefallen — und das Muster hat sich bis weit in meine Zwanziger gezogen.
Nach außen war ich der selbstbewusste Typ. Innen sah’s anders aus. Schönes Date, wir verstehen uns super — und im Hinterkopf lief schon die Platte: „Fuck, gleich wird’s intim und ich bekomme wieder keinen hoch." Jedes Mal das Gleiche.
Klappte es nicht, hatte ich meine Ausreden parat: der Alkohol, der Stress, die Umstände. Hauptsache, es lag nicht an mir.
Meistens kam es deshalb gar nicht erst zum Sex. Ich bin daran verzweifelt — daran, meine eigenen Erwartungen an leidenschaftlichen Sex nicht erfüllen zu können. Nicht für mich. Und nicht für sie.
Jahrelang habe ich mir gesagt: „Das kann doch nicht so weitergehen." Aber es gab diesen einen Moment, an dem es kippte.
An Karneval hatte ich mich verliebt. Richtig verliebt. Wir hatten eine großartige Zeit, haben darüber geredet, wohin das gehen könnte. Ein paar Wochen später bin ich zu ihr nach Holland gefahren, um ein paar Tage mit ihr zu verbringen.
Die Tage waren schön. Aber sobald wir intim werden wollten, war’s wie immer: Das Gedankenkarussell drehte sich — und ich bekam einfach keinen hoch. Und gerade weil ich etwas für sie empfunden habe, war’s mir todunangenehm.
Irgendwann habe ich ihr sogar erzählt, ich hätte „einfach keinen hohen Sexdrive". Eine Lüge, um mich zu schützen. Wenn ich heute daran denke — oh Mann.
Genau daran ist unsere kleine Romanze zerbrochen. Nicht, weil die Verbindung gefehlt hätte. Sondern weil ich mir zu viel Kopf gemacht habe.
In diesem Moment zwischen „Ich bin in sie verliebt" und „Fuck, schon wieder nicht" habe ich mich selbst verloren. Und da wusste ich: Jetzt reicht’s.
Also bin ich losgezogen — fest entschlossen, das jetzt zu lösen.
Ich war überzeugt, es müsse körperlich sein. Ich dachte: Es kann doch nicht sein, dass ich biologisch voll im Saft stehe, die Frau mega attraktiv finde — und trotzdem passiert nichts.
Also bin ich von Urologe zu Urologe getingelt. Einer nach dem anderen hat mich untersucht. Und alle sagten dasselbe: „Du bist top fit. Bei dir funktioniert alles."
Wollte ich nicht glauben. Beim letzten habe ich mir die blaue Pille verschreiben lassen — damit muss es ja klappen, dachte ich. Kleiner Spoiler: hat’s nicht.
Dann ging die Suche erst richtig los. Unzählige YouTube-Videos, Podcasts, Foren — nichts. Irgendwann war ich überzeugt, es läge am Kondom: zu eng, schnürt das Blut ab. Also her mit den übergroßen Größen. Auch das: nichts. Ich habe versucht, mich mit Alkohol locker zu trinken. Nichts.
Ich hatte alles durch. Und je mehr ich probierte, desto klarer wurde nur eins: Was auch immer da los war — von außen ließ es sich nicht reparieren.
Mit diesem Gefühl — alles versucht, nichts hat geholfen — habe ich das Holland-Kapitel endgültig abgehakt und bin nach Mexiko geflogen, um meinen Traum vom digitalen Nomadentum zu leben.
Dort habe ich eine Frau kennengelernt. Wir haben einen Monat lang im selben Coliving gewohnt, also automatisch viel Zeit miteinander verbracht. Sie fand mich attraktiv, ich fand sie attraktiv — und irgendwann lagen wir nach zwei Flaschen Wein nackt im Bett.
Und wieder dieselbe Scheiße. Es hat WIEDER NICHT funktioniert — diesmal sogar mit der blauen Pille.
Aber ich bin keiner, der aufgibt. Also habe ich’s nochmal versucht. Und nochmal. Dazwischen lagen viele Dates, ganz ohne Sex. Wir wurden uns immer vertrauter. Ich war verliebt, sie war verliebt — und durch all die Zeit miteinander passierte irgendwann das Unfassbare: Mein Gedankenkarussell wurde leise. Ich kam zur Ruhe. Ruhiges Nervensystem. Das Gefühl, mit ihr über alles reden zu können.
Und dann rate mal, was passierte.
Mein „ach so niedriger Sexdrive" ist auf einmal förmlich explodiert. Zum ersten Mal im Leben hatte ich leidenschaftlichen, freien Sex — und konnte gar nicht genug bekommen. Wie ein paarungsreifer Gorilla habe ich mich auf sie gestürzt, und sie hat sich mir hingegeben wie ein Reh, das nichts anderes wollte, als erlegt zu werden.
Das Problem, das mich Jahre gekostet hat, hatte sich einfach in Luft aufgelöst. Und es war nicht nur der Sex. Es war, als hätte sich ein komplett neues Lebensgefühl freigeschaltet. Als würde ich die Welt mit anderen Augen sehen.
Und plötzlich habe ich es verstanden.
Es war die ganze Zeit mein Gedankenkarussell, das mich von einem erfüllten Sexleben abgehalten hat. Nie das falsche Kondom. Nie der Alkohol. Nicht die falschen Techniken. Und schon gar nicht die falsche Frau.
Es waren immer meine eigenen Gedankenmuster — dieselben, immer und immer wieder.
Eine Weile dachte ich noch: Vielleicht lag’s ja doch an ihr. An der Sicherheit, die sie mir gegeben hat.
Den echten Beweis bekam ich erst, als die Beziehung nach fast drei Jahren zu Ende ging.
Der erste Gedanke: „Was, wenn es bei der nächsten Frau wieder dasselbe ist?"
Aber diesmal war etwas anders. Ich wusste inzwischen, woran es wirklich lag — nicht an ihr, nicht an meinem Körper, sondern an meinem Zustand. Und einen Zustand kann man herstellen.
Und genau so kam es. Mit der nächsten Frau hat es funktioniert. Wir sind ein paar Monate zusammen um die Welt gereist — und ich konnte Erlebnisse kreieren, die ich früher für komplett unmöglich gehalten hätte. Im Schwimmbad. Auf der Sonnenliege. Im Auto. Einfach, weil ich endlich verstanden hatte, woran es lag: an meinen unterbewussten Gedanken.
Zum ersten Mal war klar: Es war nie Glück. Es war eine Fähigkeit.
Also bin ich tiefer rein. Ich habe das Thema von allen Seiten auseinandergenommen — sogar auf einem Tantra-Retreat, wo ich in ein paar Tagen mehr über Sex verstanden habe als in hunderten dieser „ach so tollen" Videos zusammen. Bis ich nicht mehr nur verstand, was passiert — sondern es gezielt steuern konnte. Nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern auf allen: Kopf, Nervensystem, Glaubenssätze, Präsenz. Genau das wurde später der Ansatz hinter Unter Männern.
Und das Wichtigste, das ich dabei begriffen habe: Das ist kein Talent, mit dem man geboren wird. Es ist eine Fähigkeit — lernbar. Ich hab sie mir selbst beigebracht.
Und je sicherer ich wurde, desto mehr fiel mir eins auf: wie viele Männer genau da feststecken, wo ich mal war. Von Urologe zu Urologe. Überzeugt, es sei körperlich. Notlügen über den „niedrigen Sexdrive". Beziehungen, die daran zerbrechen. Und jeder denkt, er sei der Einzige.
Dabei ist keiner allein damit. Und kaputt schon gar nicht.
Deshalb gibt es Unter Männern. Um dir genau das weiterzugeben, was ich mir damals selbst erarbeiten musste — und was mir niemand gegeben hat: einen klaren Weg raus, der an der echten Ursache ansetzt, statt an Symptomen.